
Behind the Scenes
Beobachten, bevor man eingreift
Seit 1960 werden in Gombe wild lebende Schimpansen beobachtet. Was diese Forschung gezeigt hat und warum das Beobachten in Whispers of Yerana vor dem Eingreifen steht.
1960
Beginn der Beobachtungen in Gombe
65 Jahre
längste Freilandstudie an Schimpansen
39
Kulturmerkmale (Nature, 1999)
Warum Beobachten im Spiel an erster Stelle steht
Whispers of Yerana folgt einem Kreislauf: erkunden, beobachten, eingreifen, lernen, das Ergebnis sehen. Das Beobachten steht dabei bewusst vor dem Eingreifen. Wer eine Tiergruppe nicht kennt, kann ihr auch nicht sinnvoll helfen – das gilt im Spiel genauso wie in der Feldforschung.
Für diese Reihenfolge gibt es ein reales Vorbild, das die Biologie der Menschenaffen geprägt hat wie kaum ein anderes: die Langzeitbeobachtung der Schimpansen im Gombe-Stream-Nationalpark in Tansania. Bei der Recherche für den Eintrag Schimpanse im Tierlexikon sind wir immer wieder auf diese Forschung gestoßen – und auf eine Arbeitsweise, die sich erstaunlich gut in ein Videospiel übersetzen lässt.
Was die Forschung in Gombe gezeigt hat
Am 14. Juli 1960 kam die damals 26-jährige britische Forscherin Jane Goodall an das Ufer des Tanganjikasees, um wild lebende Schimpansen zu beobachten. Tagsüber folgte sie den Tieren durch den Wald, abends schrieb sie ihre Feldnotizen ins Reine. Aus diesem Anfang ist die am längsten laufende Freilandstudie über wild lebende Schimpansen weltweit geworden; sie läuft seit mehr als 65 Jahren.
Noch im ersten Jahr wurde beobachtet, wie ein Schimpanse, der den Namen David Greybeard bekam, Zweige von Blättern befreite und damit Termiten aus dem Bau angelte. Dass Tiere Werkzeuge nicht nur benutzen, sondern gezielt herstellen, galt bis dahin als ausgeschlossen. Spätere Vergleiche mehrerer Langzeitstudien zeigten sogar, dass Schimpansengruppen eigene Traditionen haben: 1999 beschrieb eine Forschungsgruppe in der Fachzeitschrift Nature 39 Verhaltensweisen, die von Gruppe zu Gruppe verschieden sind und weitergegeben statt vererbt werden.
Keine dieser Erkenntnisse wäre bei einem kurzen Besuch sichtbar geworden. Sie brauchten Jahre, einzelne Tiere, die man wiedererkennt, und die Geduld, zuzusehen, bevor man etwas deutet.

Was wir daraus für das Spiel übernehmen
Drei Dinge aus dieser Arbeitsweise tragen das Spielprinzip:
- Zeit statt Momentaufnahme. Eine Gruppe, die du über längere Abschnitte beobachtest, zeigt dir Verhalten, das bei einem kurzen Besuch unsichtbar bleibt.
- Einzeltiere statt Bestandszahl. Du erkennst einzelne Tiere wieder. So wird aus einer Zahl in der Roten Liste eine Gruppe, deren Mitglieder du kennst.
- Erst verstehen, dann eingreifen. Hilfe wirkt nur, wenn sie zum Verhalten der Tiere passt. Deshalb steht das Beobachten vor jeder Entscheidung.
Dazu kommt ein Gedanke, den die Kulturforschung an Schimpansen sehr greifbar macht: Wenn eine Gruppe verschwindet, geht mit ihr eine Technik verloren, die es an dieser Stelle nicht wieder gibt. Diesen Zusammenhang soll man im Spiel nicht auswendig lernen, sondern mit eigenen Augen sehen.

Quellen und zum Weiterlesen
- Whiten, A., Goodall, J., McGrew, W. C. u. a.: Cultures in chimpanzees. Nature 399, 682–685 (1999). doi.org/10.1038/21415
- IUCN Rote Liste: Pan troglodytes (Bewertung 2016)
- Tierlexikon: Schimpanse und Bonobo
