Ein Schimpanse, der eine Termitenkolonie öffnen will, sucht sich einen Halm, kürzt ihn, entfernt die Blätter und führt ihn in den Bau. Das ist kein Zufallsfund, sondern ein Werkzeug, das für einen Zweck hergerichtet wurde — und die Technik hat er nicht selbst erfunden, sondern über Jahre bei anderen abgeschaut.

Diese Seite gehört zum Tierlexikon von Whispers of Yerana und trägt zusammen, was über die Art bekannt ist: Lebensraum, Bestand, Gefährdung — und das, was Schimpansen von fast allen anderen Tieren unterscheidet, nämlich weitergegebenes Wissen.

Was du tun kannst

Steckbrief

Merkmal Angabe
Wissenschaftlicher Name Pan troglodytes
Schutzstatus (IUCN) Stark gefährdet (Endangered), Bewertung 2016
Bestand keine belastbare Gesamtzahl; Schätzungen reichen von rund 100.000 bis über 300.000 Tieren, siehe unten
Bestandstrend abnehmend
Unterarten vier; der Westliche Schimpanse (P. t. verus) wurde 2016 auf „vom Aussterben bedroht” (Critically Endangered) hochgestuft, Bestand 18.000 bis 65.000
Verbreitung 21 Länder West-, Zentral- und Ostafrikas, nördlich des Kongo-Flusses
Lebensraum tropischer Regenwald, Galeriewald, Feucht- und Waldsavanne
Fortpflanzung etwa ein Jungtier alle fünf bis sechs Jahre
Nächste Verwandte Bonobo; beide zusammen sind die engsten lebenden Verwandten des Menschen

Quellen: IUCN Red List of Threatened Species, Eintrag Pan troglodytes, Bewertung 2016 (Status, Trend, Unterarten). Zahlen zum Westlichen Schimpansen aus der IUCN-Hochstufung 2016 und dem regionalen Aktionsplan der IUCN SSC Primate Specialist Group. Zur Kultur: Whiten, A. und andere, „Cultures in chimpanzees”, Nature 399, Seiten 682–685 (1999).

Wo lebt der Schimpanse?

Der Schimpanse lebt in 21 Ländern Afrikas, von Senegal im Westen bis Tansania im Osten, und ausschließlich nördlich des Kongo-Flusses. Südlich davon lebt seine Schwesterart, der Bonobo — der Strom trennt beide seit hunderttausenden Jahren, weil keine der beiden Arten schwimmt.

Anders als der Bonobo ist der Schimpanse nicht auf geschlossenen Regenwald angewiesen. Er bewohnt auch Galeriewälder entlang von Flüssen, Feuchtsavannen und Waldsavannen — ein deutlich breiteres Spektrum, das erklärt, warum sein Verbreitungsgebiet so viel größer ist.

Dieses Gebiet ist allerdings kein zusammenhängender Raum mehr, sondern in Teilstücke zerfallen. Was der tropische Regenwald als Lebensraum leistet und was seine Zerschneidung bedeutet, steht auf der Seite zum tropischen Regenwald.

Wie benutzen Schimpansen Werkzeuge?

Schimpansen stellen Werkzeuge her und setzen sie gezielt ein — sie nutzen nicht nur, was herumliegt, sondern bearbeiten Material für einen Zweck. Der Werkzeuggebrauch ist bei keiner anderen Tierart außerhalb des Menschen so vielfältig belegt.

Zu den gut dokumentierten Techniken gehören:

  • Termitenangeln. Ein Halm oder dünner Zweig wird gekürzt und von Blättern befreit, dann in den Termitenbau geführt und mit den anhaftenden Tieren herausgezogen
  • Nussknacken. Harte Nüsse werden auf eine Wurzel oder einen flachen Stein gelegt und mit einem zweiten Stein aufgeschlagen — ein Werkzeug aus zwei Teilen, Hammer und Amboss
  • Blattschwämme. Zerkaute Blätter nehmen Wasser aus Baumhöhlen auf, an das die Tiere sonst nicht herankämen
  • Stöcke zur Honigernte, mit denen Bienennester geöffnet und ausgeräumt werden

Jungtiere lernen diese Techniken nicht durch Ausprobieren allein. Sie sitzen jahrelang daneben, schauen zu und üben mit untauglichem Material, bevor es gelingt. Beim Nussknacken dauert das mehrere Jahre.

Im Spiel ist genau diese Zeitspanne das, was den Unterschied macht: Eine Gruppe, die du über längere Zeit beobachtest, zeigt dir Verhalten, das bei einem kurzen Besuch unsichtbar bleibt.

Haben Schimpansen eine Kultur?

Schimpansen haben Kultur in einem fachlich klar umrissenen Sinn: Verhaltensweisen, die von Gruppe zu Gruppe verschieden sind, weitergegeben statt vererbt werden und sich nicht durch Unterschiede der Umwelt erklären lassen. Eine Übersichtsarbeit von 1999 führte die sieben längsten Feldstudien zusammen — zusammengenommen 151 Jahre Beobachtung — und fand 39 solcher Verhaltensweisen, darunter Werkzeuggebrauch, Fellpflege und Balzverhalten.

Konkret heißt das: Zwei Gruppen, die im selben Waldtyp mit denselben Ressourcen leben, lösen dieselbe Aufgabe unterschiedlich. Die eine knackt Nüsse mit Steinen, die andere kennt die Technik nicht, obwohl Nüsse und Steine vorhanden sind. In der einen Gruppe wird zur Begrüßung die Hand über dem Kopf gefasst, in der anderen nicht.

Diese Unterschiede sind erlernt und werden über Generationen weitergereicht. Damit ist auch klar, was verloren geht, wenn eine Gruppe verschwindet: nicht nur eine Zahl im Bestand, sondern eine Technik, die es an dieser Stelle nicht wieder gibt, weil niemand mehr da ist, der sie zeigt.

Wie viele Schimpansen gibt es noch?

Eine belastbare Gesamtzahl gibt es nicht. Die kursierenden Schätzungen reichen von rund 100.000 bis über 300.000 Tieren — eine Spanne, die weniger über den Bestand aussagt als über die Schwierigkeit, ihn zu erheben. Menschenaffen im dichten Wald werden nicht gezählt, sondern hochgerechnet, meist über die Zahl der Schlafnester.

Belastbarer sind die Angaben zu den einzelnen Unterarten, und sie zeigen, wie unterschiedlich die Lage ist. Der Westliche Schimpanse wurde 2016 von „stark gefährdet” auf vom Aussterben bedroht hochgestuft; sein Bestand wird auf 18.000 bis 65.000 Tiere geschätzt, nach einem Rückgang um etwa 80 Prozent zwischen 1990 und 2014. Der Zentralafrikanische Schimpanse ist mit rund 140.000 Tieren die individuenreichste Unterart. Keine der vier wächst.

Diese Unterschiede sind der Grund, warum eine Gesamtzahl in die Irre führt: Sie verdeckt, dass eine der vier Unterarten kurz vor dem Verschwinden steht, während der Durchschnitt beruhigend aussieht.

Was die Einstufungen bedeuten und wie sie zustande kommen, steht auf der Seite zu Rote Liste und Artenschutz.

Warum sind Schimpansen bedroht?

Drei Ursachen wirken zusammen, und die langsame Fortpflanzung der Art verschärft jede davon.

  • Lebensraumverlust. Rodung für Landwirtschaft, Bergbau und Holzeinschlag zerschneidet die Wälder. Übrig bleiben Inseln, die für große Gruppen zu klein sind
  • Jagd für Buschfleisch. Neue Wege in zuvor unzugängliche Waldgebiete machen die Jagd erst möglich. Weil ein Weibchen nur etwa alle fünf Jahre ein Jungtier bekommt, kann schon eine geringe Zahl getöteter Tiere eine Gruppe dauerhaft schwächen
  • Krankheiten. Die enge Verwandtschaft zum Menschen macht die Art für dieselben Erreger empfänglich. Wie schwer das wiegt, zeigt eine Erhebung aus Gabun: Dort gingen die Bestände der Menschenaffen zwischen 1983 und 2000 um mehr als die Hälfte zurück. Hauptursache war die kommerzielle Jagd — Ebola-Ausbrüche wiegen nach Einschätzung der Autoren inzwischen aber ebenso schwer (Walsh und andere, Nature, 2003)

Wie sich Jagd zur Eigenversorgung von organisierter Wilderei unterscheidet und warum diese Unterscheidung über die richtigen Gegenmaßnahmen entscheidet, steht auf der Seite Wilderei verstehen.

In Whispers of Yerana sind das die Ansatzpunkte, an denen gearbeitet wird: Zugangswege, Waldgrenzen, Alternativen zur Jagd. Was in anderen Spielen ein Fortschrittsbalken behauptet, zeigt hier die Gruppe selbst — sie bleibt zusammen, wächst oder zerfällt, je nachdem, woran du gearbeitet hast. Der Begriff Gamification fällt dafür oft; gemeint ist hier das Gegenteil einer aufgesetzten Anzeige.

Schimpanse oder Bonobo — was ist der Unterschied?

Beide gehören zur Gattung Pan und sind eigenständige Arten, getrennt durch den Kongo-Fluss: Der Schimpanse lebt nördlich davon, der Bonobo südlich. Schimpansen sind kräftiger gebaut, ihre Gruppen werden von Männchen dominiert, und Rangordnungen werden häufiger über Auseinandersetzungen geklärt.

Beim Bonobo prägen die am besten vernetzten Weibchen die Gruppe, und Spannungen werden eher über soziale Zuwendung ausgeglichen. Auch der Lebensraum unterscheidet sich: Der Bonobo kommt nur in der Demokratischen Republik Kongo vor, der Schimpanse in 21 Ländern.

Was mit einer Gruppe verschwindet

Bei kaum einer anderen Art lässt sich so genau sagen, was ein verlorener Bestand kostet. Wenn die letzte Gruppe eines Waldstücks verschwindet, endet dort auch eine Technik — das Nussknacken mit Stein und Amboss etwa, das ein Jungtier nur lernt, weil es jahrelang daneben sitzen konnte. Wo niemand mehr zeigt, wie es geht, entsteht es nicht von selbst neu, auch wenn Nüsse und Steine liegen bleiben. Im Videospiel bekommt dieser Zusammenhang die Zeit, die er braucht: Du beobachtest eine Gruppe über längere Abschnitte hinweg, erkennst einzelne Tiere wieder und siehst, was von einer Generation zur nächsten weitergegeben wird — oder eben nicht mehr.

Du lernst spielerisch, wie eng Verhalten, Weitergabe und Bestand zusammenhängen — ein Zusammenhang, der sich als Merksatz schwer behalten und als beobachtete Folge von selbst erschließt. Fachlich beschreibt man diesen Zugang als Game Based Learning. Zahlen, Artnamen und Zusammenhänge folgen dem realen Kenntnisstand und sind belegt, einschließlich der Unsicherheiten. Für Schulen, Umweltbildung und Bildungsträger ist das ohne Zusatzmaterial einsetzbar — die Anknüpfungspunkte zu Biologie, Geographie und Ethik stehen auf der Seite für Bildungspartner.

Weiterlesen

Eine Art, die Wissen weitergibt, verliert mit jeder Gruppe mehr als Individuen. Der Schimpanse ist das Tier, bei dem sich am deutlichsten zeigt, dass Artenschutz auch Schutz von Überliefertem ist. Whispers of Yerana macht genau diesen Unterschied sichtbar.

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